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Thomas Morris

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Thomas Morris, in Wien geboren, lebt heute in Berlin und Los Angeles. U. a. spielte er in Kinofilmen wie: Die Wanderhure, Illuminati (Angels u. Demons) Schindlers Liste, Tristan und Isolde und zahlreichen weiteren Kino- und Fernsehproduktionen. Als Autor schreibt er seit Jahren Drehbücher, Musiktexte, Artikel, Gedichte und Prosa.

Thomas Morris gibt uns Einblicke in die Dreharbeiten zum Kinofilm Illuminati. u.a. mit Tom Hanks: Vom Casting angefangen bis zum Drehschluss.

 

Ganz weit draußen

Ganz weit draußen

Ganz weit draußen
Thomas Morris

Ganz weit draußen ist eine Auswahl von Kurzgeschichten, die der Schauspieler und Autor Thomas Morris in den letzten zehn Jahren verfasste. Beobachtungen, Erinnerungen und Gedanken ...

 

 

 

  

 

Thomas Morris in zahlreichen Kinofilmen, u.a. auch in ILLUMINATI

ANGELS & DEMONS, zu deutsch ILLUMINATI startete weltweit in den Kinos. Thomas Morris ist darin als Schweizer Garidst Urs Weber zu sehen. Die Premiere fand in Rom statt.

 

Thomas Morris (zweiter von rechts) erzählt von den Dreharbeiten zum Kinofilm Illuminati

Foto: Premiere des Kinofilms Illuminati

 

Illuminati "Log Buch" oder "Mein Hollywood-Sommer"
von Thomas Morris

 

1.) Das Casting

Als mich Anfang April 2008 mein amerikanischer Agent in Berlin anrief und fragte: „Kannst du morgen zu einem Casting in LA sein?“ musste ich passen. Das war zu knapp. Außerdem hätte ein Flug für denselben Tag vermutlich Tausende gekostet.

Stattdessen bot ich der Casting-Direktorin an, mich selbst zu filmen und ihr das Castingband per eMail zu schicken. Ich lernte meine Zeilen auswendig, stellte ein Kostüm zusammen, baute meine Kamera auf, filmte mich selbst, spielte alles in meinen Laptop und schnitt es in Windeseile. Wenige Stunden später hatte sie es bereits.

Norbert Weisser, ein gemeinsamer Freund hatte sie auf mich aufmerksam gemacht, und ich schien perfekt zu sein, für die Rolle eines Schweizer Gardisten in Ron Howards zweiter Dan Brown-Verfilmung Angels & Demons, zu Deutsch Illuminati.

Mein Casting-Band kam gut an und so saß ich vier Wochen später Ron Howard in seinem Büro in den Sony Studios in LA gegenüber. Ich erzählte ihm, dass ich in Wien geboren und aufgewachsen war. „Wien!“ rief er aus, „Eine schöne Stadt. Da hab ich meinen ersten Film gedreht. Das war 1958!“

Während wir uns weiter unterhielten, dachte ich angestrengt darüber nach, wie alt er sein musste? 1958? Vor 50 Jahren? Ich hätte ihn bestenfalls auf 50 geschätzt!? „Er war Vier!“ warf die Casting-Direktorin ein, da sie offenbar die Zeichen der Verwirrung in meinem Gesicht lesen konnte: „Ron war ein Kinderstar!“ Stimmt. Das hatte ich in der Aufregung vergessen. Er fing früh als Schauspieler an, spielte als Kind in Serien wie Lassie, Bonanza und die Waltons, wechselte als Erwachsener hinter die Kamera und landete riesige Erfolge mit Filmen wie Splash, Apollo 13 und A Beautiful Mind, für den er zwei Oscars gewann.

Wir unterhielten uns noch kurz, dann musste ich noch einmal meinen Text vortragen, Ron war zufrieden, schüttelte meine Hand und ich hatte die Rolle.

 

2.) Die ewige Stadt

Einen weiteren Monat später stand ich in Italien vor der Kamera. Ich war aufgeregt. Der erste Drehtag an einem Film ist immer aufregend. Egal wie klein oder wie groß der Film ist. Die Nacht davor schlafe ich schlecht, ich bin unruhig. Da ist immer die Angst zu versagen. Obwohl ich nach über 80 Filmen, vom Hochschulfilm bis hin zu Schindlers Liste weiß, dass ich es kann. Das Lampenfieber bleibt.

Nicht mehr als 30 Minuten brauchten wir für meine erste Szene, in der ich ein kurzes Streitgespräch mit Stellan Skarsgård hatte, den ich als Schauspieler zutiefst bewundere. In meiner Aufregung hatte ich mich auf der Dispo bei der Abholzeit verlesen, und Stellan und den Fahrer 10 Minuten vor dem Hotel warten lassen, was kein guter Einstieg war, zumal auch mein schwedischer Kollege deutliche Anzeichen von Nervosität zeigte. Nach wenigen Minuten Unterhaltung auf der Fahrt zum Set hatte er mir jedoch vergeben.

An meinem zweiten Drehtag verfolgte ich in einer Szene unauffällig Ewan McGregor und stürmte in einer anderen gemeinsam mit Tom Hanks in einen Raum. Beide Hauptdarsteller waren sehr freundlich, keine Spur von Stargetue oder Überheblichkeit. Dennoch war da Toms Bodyguard, der ihn auf Schritt und Tritt begleitete: etwa 1,80 hoch und 1,50 breit, jung, sportlich, Muskeln wie Drahtseile. Obwohl ich größer war als er hatte ich Angst, ihm die Hand zu schütteln. Ich hielt es aber für sicherer, mich erst ihm vorzustellen, und es war letztlich weniger schmerzhaft als ich dachte. Dann wartete ich auf den richtigen Augenblick, ich trat heran und stellte mich Tom Hanks vor – dem einzigen Schauspieler in der Filmgeschichte, der zweite Oscars hintereinander gewann. Ich war etwas unsicher. Tom war größer als ich gedacht hatte, er war stattlich, hatte große Präsenz, und strahlte Selbstsicherheit,  Zufriedenheit und Lebensfreude aus: „Ich bin Tom! freut mich sehr. Willkommen bei unserem Film!" sagte er und schüttelte freudig meine Hand.

Im Hotel in Rom (einem alt-ehrwürdigen 5-Sterne-Palast in der Via De Veneto) hatte ich drei Tage zuvor bereits alle möglichen Unterlagen von der Produktion bekommen. Neben den Drehplänen und den geänderten Seiten, neben Telefonlisten und Willkommensgrüßen war darunter auch ein sehr schöner Romführer, der in kurzen Worten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und die besten Restaurants der Stadt beschreibt. Der kam von Tom Hanks. Er hatte jedem der an diesem Film beteiligt war, und das waren Hunderte, einen auf sein Zimmer legen lassen. Man könnte sagen, dass sei nichts Besonders, das kann er sich bei seinen Gagen locker leisten. Aber das ist nicht der Punkt. Die Geste zählt. Und die sagt: Danke, dass du da bist, und herzlich willkommen bei diesem Projekt! Ich hoffe, du hast eine gute Zeit bei uns! Und das hatte ich.

Nun war ich im Film angekommen, hatte das Gefühl, dazu zu gehören. Die Anspannung war wie weggeblasen. Wenn die ersten Szenen glatt gehen, und alle nett sind, kann eigentlich nicht mehr viel passieren.

 

3.) Die Stadt der Engel

Zwei Wochen später war ich in Los Angeles. Die Sonne schien, es war Hochsommer, ich hatte zehn freie Tage bevor ich zu arbeiten begann, radelte täglich zum Strand, joggte am Wasser entlang, schwamm im Pazifik, versuchte in Form zu bleiben. Ich traf Freunde, ging ins Kino, aber mit jedem Tag wuchs die Vorfreude auf die Arbeit, denn Venice Beach ist toll, aber ich war hier, um zum ersten Mal in meinem Leben in einem der alt-ehrwürdigen Hollywood-Studios zu drehen.

Dann war es soweit. Ich wohnte zum Glück nur 15 Minuten vom Studio entfernt. Sieben der über 30 riesigen Studio-Hallen, so genannte sound stages waren für unseren Film belegt, darin waren unseres Sets (Zimmer, Hallen und Plätze) aufgebaut – diese großartigen, bis ins kleinste Teil perfekten Studiobauten übertrafen all meine Vorstellungen.

Die Kleindarsteller, und die Schauspieler mit wenigen Drehtagen mussten mit so genannten „Honeywagon" vorlieb nehmen, das sind große Wohnwagen, die in viele kleine Kabuffs unterteilt sind.

Mein schwedischer Kollege Jonas Fisch und ich hatten als durchgehende Rollen so genannte „Half Trailer," also einen großen Wohnwagen, der in zwei kleine Einheiten, mit eigenem Bad unterteilt ist, und großzügig mit Kühlschrank, Schreibtisch, Sitzecke, Fernseher, Stereoanlage und DVD-Player ausgestattet ist. Es ist sehr angenehm, in seinen freien Minuten, die manchmal auch Stunden sein können, einen Ort des Rückzugs zu haben, einen Raum in dem man sich hinlegen, Musik hören, Text lernen, oder seine eMails beantworten kann. Ich war glücklich über meinen halben Wohnwagen.

Unsere Hauptdarsteller Tom Hanks, Ayelet Zurer, Ewan McGregor und Stellan Skarsgård hatten riesige Wohnwagen für sich allein. Tom hatte obendrein noch zwei kleinere silberne Trailer daneben stehen. Die drei Gefährte bildeten ein U, eine Art Wagenburg. Dazwischen Tisch, Stühle und eine Hängematte. In den kleinen silbernen Trailern residierten seine persönliche Assistentin und sein persönlicher Koch, der ihm sein eigenes Essen zubereitete.

Anthony Hopkins prägte einst den berühmten Satz: „Sie bezahlen mich fürs Warten. Die Darbietung ist kostenlos!" Er weiß wovon er spricht, denn im Grunde ist die Arbeit an einem Hollywood-Film nicht viel anders als an einem europäischen Film. Nur, dass alles sehr viel größer ist, und alle Beteiligten extrem freundlich, respektvoll, hoch motiviert und höflich sind, was einem das Warten, die oft endlos scheinende Warterei sehr versüßt.

Mit Ewan McGregor entdeckte ich eine gemeinsame musikalische Vergangenheit, wir sangen zusammen Queen-Songs, und versuchten uns an Bands aus den 80ern, wie Spandau Ballett und Ultravox, deren Lieder und Texte zu erinnern. Wenn uns ein Lied- oder ein Filmtitel nicht einfiel, dann zückten alle Kollegen ihre iPhones und googelten um die Wette. Ich schien der einzige Schauspieler in Hollywood zu sein, der noch keines hatte. Mir genügt es bis heute, dass mein Telefon telefonieren kann.

In Ron Howard hatte ich einen Regisseur der Schauspieler liebt, und versteht sie zu motivieren. Als ich ihn nach dem Dreh in Rom in LA wieder sah begrüßte er mich mit den Worten: „Danke, Thomas, das war wirklich großartig was du in Italien gemacht hast! Das Material sieht fantastisch aus!" Er kam nach jeder Szene und bedankte sich, er wurde nie müde uns, auch unter größtem Zeitdruck alles in Ruhe zu erklären. Wir hatten tatsächlich jeden Tag Spaß, und jeder der hier mitarbeiten durfte war gerne hier.

 

 


Viele interessante Infos über seine Tätigkeit als Schauspieler, erhalten Sie auf der Homepage von Thomas Morris.

 

       

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